Kapitalismus & Demokratie. Zur Theoriegeschichte einer schwierigen Beziehung

Wintersemester 2012/13 Seminarplan BA Politikwissenschaft

Das Verhältnis von Kapitalismus und Demokratie ist nicht erst seit der Finanz- und Schuldenkrise ein prekäres, aber in den letzten Jahren ist diese Tatsache erneut und mit Macht ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Während Bundeskanzlerin Merkel zuversichtlich ist, dass »wir Wege finden [werden], die parlamentarische Mitbestimmung so zu gestalten, dass sie trotzdem auch marktkonform ist« (Presskonferenz am 1. September 2011), sich also bemüht, das Verhältnis in Richtung einer marktkonformen Demokratie aufzulösen, fordert Attac, die Demokratie anstatt der Märkte zu entfesseln. Jeweils wird vorausgesetzt, dass Kapitalismus und Demokratie nur schwer, wenn überhaupt miteinander vereinbar sind. Damit scheint der Glaube an eine »Friedensformel« (Offe) wie den Sozialstaat, der einen demokratischen Kapitalismus erlauben sollte, endgültig erschöpft.

Das Seminar will im historischen Durchgang durch Positionen und Debatten beleuchten, wie unterschiedlich diese schwierige Beziehung von Kapitalismus und Demokratie gedacht wurde. Zugleich liefert es Einblicke in die Verknüpfungen von Demokratietheorie und politischer Ökonomie.

Einführende Literatur

Crouch, Colin 2008 [2003]: Postdemokratie. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.

Offe, Claus 1984: Zu einigen Widersprüchen des modernen Sozialstaats, in: ders.: »Arbeitsgesellschaft«: Strukturprobleme und Zukunftsperspektiven. Frankfurt a. M./New York: Campus, 323–339.

Streeck, Wolfgang 2011: The Crises of Democratic Capitalism, in: New Left Review 71, 5–29.