Bedingungen unserer Existenz. Zur Aktualität Michel Foucaults

Berlin: Suhrkamp, 2026.

Wie blicken wir heute auf Michel Foucault? Wie lässt sich die Wirkung seines vielgelesenen und vielkritisierten Werks in unserer Zeit einschätzen? Auf der einen Seite zählt es zu den kanonischen Quellen der neueren Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften, die Foucault so tiefgreifend geprägt hat wie sonst wohl kein anderer Autor der Nachkriegszeit. Auf der anderen Seite wird er in immer wiederkehrenden Debatten für irrationale Verirrungen und relativistische Sackgassen des zeitgenössischen Denkens verantwortlich gemacht.

Martin Saar und Frieder Vogelmann präsentieren in ihrer scharfsinnigen philosophischen Sondierung von Foucaults Vermächtnis weder eine unanfechtbare Autorität noch stoßen sie auf eine Zersetzung von Wahrheit, eine Verabsolutierung von Identität und eine Zersplitterung von Politik. Vielmehr entdecken sie ein hochbewegliches diagnostisches Denken, das sich den Voraussetzungen dessen widmet, was jeweils als wahr, authentisch oder legitim gilt. Foucaults berühmte distanzierende Operationen sind dabei primär Ausdruck eines Denkstils, der auf Intervention in die politisch-soziale Wirklichkeit zielt. Der philosophischen Kritik Foucaults geht es um nicht weniger als um die Bedingungen unserer Existenz.

Besprechungen

Schweitzer, Tobias: Verflüssigung der Gegenwart, Philosophie Magazin, 8. September 2026.

Matthias Rothe: Wie es geworden ist. Texte und Schlappen: Neues zu Michel Foucaults 100. Geburtstag, Lesart. Journal für unabhängige Literatur 3/2026, S. 61.

Tania Martini: Was er sichtbar machte. Über die Aktualität von Michel Foucaults Denken zu seinem 100. Geburtstag, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. Oktober 2026, Literaturbeilage S. 11.

Alexander Kluy: Bücher sollten Bomben sein. Zum hundertsten Geburtstag von Michel Foucault, Der Standard, 11. Oktober 2026.

Tobias Schwartz: Michel Foucault: „Der größte Denker unserer Zeit“, Berliner Morgenpost, 12. Oktober 2026

Lothar Müller: Wie wir heute auf Foucault blicken, Süddeutsche Zeitung, 15. Oktober 2026.

Matthias Rothe: Es kann alles auch ganz anders sein, taz, 15. Oktober 2026.