
Foucaults Arbeiten besitzen philosophische Sprengkraft; sie in der Philosophie heute zum Einsatz zu bringen, erfordert jedoch dreierlei: Erstens reicht es nicht, von Foucaults Diagnosen seiner Gegenwart auszugehen, die mittlerweile seit über 40 Jahren vergangen ist. Eine Philosophie mit und nach Foucault wird stattdessen am methodologischen Kern seiner »historisch-philosophischen Praxis« ansetzen müssen. Diesen verortet der Artikel in der einer dreistrahligen Analyse von Praktiken, die auf jeder der drei Achsen Macht, Wissen und Subjektivität ihre Begriffe so anlegt, dass sie uns von normativen Vorannahmen, Verallgemeinerungen und ahistorischen Ausgangspunkten befreien. Im Zentrum dieser Methode steht zweitens die These einer Verschlingung von Macht und Wahrheit, die philosophisch ernstgenommen werden muss: Weder reicht es, sie immanent zu rekonstruieren und als Setzung zu akzeptieren, noch darf sie vorschnell als relativistisch abgewehrt werden. Eine Philosophie mit und nach Foucault wird sie vielmehr systematisch ausarbeiten und dabei weit über Foucault hinausgehen müssen. Drittens lässt sich als Gewinn einer solchen Vorgehensweise beispielhaft darlegen, was eine derart an Foucault geschulte philosophische Methode auf dem Feld der politischen Epistemologie in drei zentralen Bereichen zu leisten vermag: (a) in Bezug auf konkrete politisch-epistemische Schwierigkeiten wie die Zunahme von Unwahrheiten in der Politik oder die Leugnung wissenschaftlicher Ergebnisse; (b) in Bezug auf die Überarbeitung von epistemologischen Grundbegriffen wie Wahrheit und Wissen; und (c) in Bezug auf meta-philosophische Fragen, insofern jede politische Epistemologie auch die materiell-sozialen Bedingungen alethischer Existenz ihres eigenen Wissens analysieren muss.