
Dieser einführende Aufsatz skizziert den programmatischen Vorschlag einer kritisch aufgeklärten und transkulturell erweiterten Begriffsgeschichte. Am Beispiel des Wissensbegriffs argumentieren die Autor*innen, dass die traditionelle philosophische Begriffsgeschichte nach wie vor von systematischen Ausgrenzungen geprägt ist, darunter Eurozentrismus, Androzentrismus und die Marginalisierung bestimmter Epochen und Traditionen. Der Aufsatz vertritt die Auffassung, dass Begriffsgeschichte nicht nur semantische Entwicklungen rekonstruieren, sondern auch die sozialen und politischen Bedingungen – sowie die Machtverhältnisse – kritisch untersuchen sollte, unter denen Begriffe entstehen und sich verfestigen. Unter Rückgriff auf Debatten in der feministischen und sozialen Erkenntnistheorie verteidigt der Beitrag den epistemischen Wert einer Diversifizierung des Korpus begriffshistorischer Forschung. Ein transkulturell erweiterter Ansatz, so schlagen die Autorinnen vor, kann vernachlässigte Alternativen aufdecken, kontingente begriffliche Verengungen aufzeigen und zu aktuellen Debatten beitragen. Die Einleitung schließt mit der Vorstellung der drei Fallstudien – zur arabisch-islamischen Philosophie, zum spätmittelalterlichen Denken und zum Zen-Buddhismus – als explorative Schritte hin zu einer neu ausgerichteten Praxis der Begriffsgeschichte.