Was ist heute, 100 Jahre nach seiner Geburt und über 40 Jahre nach seinem Tod, noch aktuell an Michel Foucaults Denken? Nicht seine kontrovers diskutierten Diagnosen vom »Tod des Menschen«, von der »Disziplinargesellschaft« oder der »Biopolitik«, so die erste These des Vortrags, sondern seine Vorgehensweise. Sie sollte – zweite These – als ein Denken in Existenzbedingungen rekonstruiert werden: Foucault untersucht nicht transzendentalphilosophisch die Bedingungen der Möglichkeit, sondern analysiert archäologisch-genealogisch die Bedingungen unserer Existenz entlang der drei Dimensionen von Wissen, Macht und Selbstverhältnissen. Diese alternative Form des Philosophierens freizulegen, ermöglicht es, so die dritte These, kritische Diagnosen unserer Gegenwart zu erstellen, anstatt Foucaults alte Diagnosen seiner Gegenwart bloß zu verlängern.