»Aufklärung« – als Epoche wie als Aspiration – wird vielfach kritisiert. Als Zeitalter der Vernunft wird die Aufklärung verdächtigt, eben diese Vernunft rassistisch, sexistisch und eurozentrisch verstümmelt zu haben. Als Aspiration sieht sich Aufklärung konfrontiert mit Zweifeln an ihrer Legitimität und Effektivität: Ist »aufklären« nicht stets an ein problematisches Machtgefälle zwischen Wissenden und Nicht-Wissenden gebunden? Und setzt »aufklären« nicht eine Wirksamkeit von Wissen voraus, die fragwürdig erscheint angesichts einer Öffentlichkeit, in der Halbwahrheiten und offenkundige Falschheiten zuverlässig mehr Aufmerksamkeit bekomme?
Der Vortrag greift aktuelle Überlegungen aus der politischen Epistemologie zur Kraft von Wahrheit und zur aktiven Produktion von Nicht-Wissen auf, um zu untersuchen, wie und unter welchen Bedingungen »aufklären« heute ein sinnvolles Zielt bleibt. Damit erörtert er zugleich, welche Rolle der Philosophie zukommt, gerade auch in ihrem Verhältnis zur Öffentlichkeit.